Pflegewissen · Haut und Dekubitus

Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Gefährdete Hautstellen erkennen, Druck wirksam reduzieren und die vorhandene Beweglichkeit gezielt fördern.

Ein Dekubitus kann entstehen, wenn über längere Zeit Druck auf empfindliche Körperstellen einwirkt und das Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Besonders gefährdet sind Menschen, die ihre Position nur eingeschränkt oder gar nicht selbstständig verändern können.

Eine wirksame Dekubitusprophylaxe beginnt deshalb mit einer individuellen Risikoeinschätzung. Beweglichkeit, Hautzustand, Erkrankungen, Ernährung, Flüssigkeitsversorgung und persönliche Gewohnheiten müssen gemeinsam betrachtet werden.

Dieser Fachbeitrag zeigt, wie Druckentlastung, Positionswechsel, Mobilisation und sorgfältige Hautbeobachtung sinnvoll miteinander verbunden werden. Pflegekräfte und pflegende Angehörige erfahren außerdem, welche Veränderungen fachlich abgeklärt werden sollten.

Maßnahmen zur Druckentlastung

Praxiswissen für Pflegekräfte und pflegende Angehörige

Pflegekraft unterstützt eine ältere Frau bei der druckentlastenden Seitenlagerung zur Dekubitusprophylaxe

Grundlagen verstehen

Wie ein Dekubitus entstehen kann

Ein Dekubitus ist eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut oder des darunterliegenden Gewebes. Häufig entsteht sie über einem Knochenvorsprung, wenn dort über längere Zeit Druck oder eine Kombination aus Druck und Scherkräften wirkt.

Entscheidend ist nicht allein, wie stark der Druck ist. Auch seine Dauer, der Zustand des Gewebes und die Fähigkeit zur selbstständigen Positionsveränderung beeinflussen das Risiko.

Deshalb kann keine starre Umlagerungszeit für alle Menschen gelten. Abstände und Maßnahmen müssen individuell geplant und anhand von Hautzustand, Beweglichkeit und Verträglichkeit überprüft werden.

Wichtig für die Pflegepraxis

Eine sichtbare Rötung ist nicht zwangsläufig der Beginn der Schädigung. Veränderungen können sich auch in tieferen Gewebeschichten entwickeln. Auffällige Hautstellen dürfen deshalb nicht kräftig massiert oder vorschnell als harmlos eingeordnet werden.

Druck wirkt auf das Gewebe

Das Körpergewicht belastet eine begrenzte Fläche, beispielsweise am Kreuzbein, an den Fersen, Hüften oder Ellenbogen.

Die Belastung hält an

Kann die betroffene Person ihre Position nicht ausreichend verändern, bleibt das Gewebe über einen längeren Zeitraum belastet.

Haut und Gewebe werden geschädigt

Die Versorgung des belasteten Bereichs kann beeinträchtigt werden. Ohne wirksame Entlastung können Haut und tiefer liegendes Gewebe Schaden nehmen.

Individuelles Dekubitusrisiko

Wer besonders gefährdet sein kann

Ein Dekubitusrisiko lässt sich nicht allein am Alter oder an einer einzelnen Erkrankung festmachen. Entscheidend ist vor allem, ob ein Mensch belastete Körperstellen selbstständig und rechtzeitig entlasten kann. Weitere gesundheitliche und pflegerische Faktoren müssen individuell einbezogen werden.

Eingeschränkte Beweglichkeit

Die betroffene Person kann ihre Position im Bett oder im Sessel nicht ausreichend verändern oder benötigt dafür umfassende Unterstützung.

Verminderte Wahrnehmung

Druck, Schmerzen oder unangenehme Positionen werden nicht zuverlässig wahrgenommen, mitgeteilt oder durch eine eigene Bewegung beantwortet.

Belastetes Gewebe

Erkrankungen, eine beeinträchtigte Durchblutung oder ein insgesamt geschwächter Gesundheitszustand können die Belastbarkeit des Gewebes vermindern.

Zusätzliche Hautbelastung

Feuchtigkeit, Reibung, Scherkräfte, ungeeignete Hilfsmittel oder medizinische Geräte können gefährdete Hautbereiche zusätzlich beanspruchen.

Der entscheidende Ausgangspunkt

Kann die Person eine belastende Position selbst erkennen und verändern? Wenn dies nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, müssen Risiko, Hautzustand und notwendige Entlastungsmaßnahmen pflegefachlich beurteilt und regelmäßig überprüft werden.

Druckgefährdete Körperbereiche

Welche Hautstellen besonders aufmerksam beobachtet werden

Gefährdet sind vor allem Körperstellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen. Welche Bereiche belastet werden, hängt von der jeweiligen Position, den verwendeten Hilfsmitteln und der individuellen Körperhaltung ab.

In Rückenlage

Häufig belastete Bereiche
  • Hinterkopf und Schulterblätter
  • Ellenbogen
  • Kreuzbein und Steißbeinregion
  • Fersen

In Seitenlage

Häufig belastete Bereiche
  • Ohr und seitlicher Kopfbereich
  • Schulter und Rippenbereich
  • Hüfte beziehungsweise großer Rollhügel
  • Knie und Knöchel

Beim Sitzen

Häufig belastete Bereiche
  • Schulterblätter und Wirbelsäulenbereich
  • Kreuzbeinregion
  • Sitzbeinhöcker
  • Fersen und aufliegende Ellenbogen

Auch Hilfsmittel und medizinische Geräte können Druck verursachen. Deshalb sollten beispielsweise Masken, Schläuche, Katheter, Schienen, Strümpfe und Fixierungen bei der Hautbeobachtung berücksichtigt werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Druck vermeiden, verteilen und regelmäßig entlasten

Dekubitusprophylaxe besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme. Bewegung, individuell geplante Positionsveränderungen, geeignete Hilfsmittel, Hautbeobachtung und die Behandlung gesundheitlicher Belastungen müssen sinnvoll ineinandergreifen.

Eigenbewegung fördern

Vorhandene Fähigkeiten werden genutzt und unterstützt. Dazu gehören kleine Gewichtsverlagerungen, Positionskorrekturen, Aufstehen, Umsetzen und kurze Bewegungsphasen.

Grundsatz: So viel Eigenaktivität wie möglich und so viel Unterstützung wie notwendig.

Position individuell verändern

Kann sich ein Mensch nicht ausreichend selbst bewegen, werden regelmäßige und nachvollziehbar geplante Positionsveränderungen notwendig.

Wichtig: Die Abstände richten sich nach Risiko, Hautzustand, Unterlage, Aktivität, Beschwerden und Verträglichkeit – nicht nach einem starren Zeitschema.

Druck gezielt reduzieren

Gefährdete Bereiche werden vollständig oder teilweise entlastet. Dabei können angepasste Lagerungen, Freilagerungen und eine veränderte Sitz- oder Liegeposition eingesetzt werden.

Fersen, Kreuzbeinregion und andere Knochenvorsprünge benötigen besondere Aufmerksamkeit.

Geeignete Hilfsmittel auswählen

Druckverteilende Matratzen, Sitzkissen oder Positionierungshilfen werden passend zur individuellen Situation ausgewählt und korrekt angewendet.

Keine Hilfsmittellösung ersetzt Bewegung und Hautbeobachtung. Auch auf einer Spezialmatratze bleiben Positionsveränderungen häufig erforderlich.

Haut schützen und beobachten

Gefährdete Hautbereiche werden regelmäßig betrachtet. Feuchtigkeit, Falten, Reibung, Scherkräfte und Druck durch Kleidung oder medizinische Geräte werden möglichst reduziert.

Die Haut wird schonend gereinigt und entsprechend ihrem Zustand gepflegt. Auffällige Stellen werden nicht kräftig massiert.

Ursachen und Begleitfaktoren klären

Schmerzen, Schwäche, Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel, Durchblutungsstörungen oder akute Erkrankungen können Bewegung und Gewebebelastbarkeit beeinflussen.

Diese Faktoren werden fachlich beziehungsweise medizinisch beurteilt und bei der individuellen Maßnahmenplanung berücksichtigt.

Entscheidend für die Wirksamkeit

Jede Maßnahme wird daraufhin überprüft, ob die gefährdete Körperstelle tatsächlich entlastet ist, die Position toleriert wird und keine neuen Druckstellen, Schmerzen oder Einschränkungen entstehen.

Planen · durchführen · beobachten · anpassen

Praktisches Vorgehen

Positionswechsel geplant und sicher durchführen

Eine Positionsveränderung soll belastete Körperbereiche entlasten, ohne an anderer Stelle neuen Druck, Schmerzen oder Unsicherheit zu erzeugen. Deshalb beginnt sie mit einer kurzen Einschätzung und endet mit einer Kontrolle der neuen Position.

Die pflegebedürftige Person wird nach Möglichkeit einbezogen. Eigene Bewegungen, Wünsche und vertraute Bewegungsabläufe können die Durchführung erleichtern und die Selbstständigkeit erhalten.

Druck entlasten
Stabilität sichern
Komfort erhalten
Keine ungeschulte Durchführung bei Unsicherheit

Bei Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, frischen Operationen, Lähmungen, instabilen Verletzungen oder medizinischen Zugängen muss die geeignete Vorgehensweise pflegefachlich beziehungsweise medizinisch geklärt werden.

Ausgangssituation prüfen

Aktuelle Position, Beweglichkeit, Schmerzen, gefährdete Hautstellen, vorhandene Hilfsmittel sowie Schläuche und medizinische Zugänge werden berücksichtigt.

Vorgehen erklären und abstimmen

Die betroffene Person erfährt, was geplant ist und welche Bewegung sie selbst übernehmen kann. Unsicherheit, Angst und Schmerzen werden ernst genommen.

Bewegung körpernah unterstützen

Der Positionswechsel erfolgt kontrolliert und möglichst ohne Ziehen über die Unterlage. Reibung und Scherkräfte werden durch eine geeignete Technik reduziert.

Druckpunkte gezielt entlasten

Kissen und Positionierungshilfen werden so eingesetzt, dass gefährdete Bereiche entlastet sind und keine harten Kanten, Falten oder zusätzlichen Druckstellen entstehen.

Neue Position kontrollieren

Abschließend werden Körperhaltung, Haut, Atmung, Schmerzen, Wohlbefinden und Erreichbarkeit notwendiger Gegenstände überprüft. Beobachtungen werden dokumentiert und weitergegeben.

Hautbeobachtung

Veränderungen frühzeitig erkennen und richtig einordnen

Gefährdete Hautbereiche werden regelmäßig und bei relevanten Pflegesituationen aufmerksam betrachtet. Dabei reicht es nicht, nur nach einer roten Stelle zu suchen. Auch Temperatur, Gewebefestigkeit, Beschwerden und Feuchtigkeit liefern wichtige Hinweise.

01

Farbe

Auf neue Rötungen, ungewöhnliche Verfärbungen sowie deutliche Unterschiede zur umgebenden Haut achten.

02

Temperatur

Eine auffällige Stelle kann wärmer oder kühler als das benachbarte Gewebe erscheinen.

03

Gewebe

Verhärtungen, Schwellungen oder ungewöhnlich weiche und schwammige Bereiche werden ernst genommen.

04

Beschwerden

Schmerzen, Brennen, Jucken, Druckgefühl oder Berührungsempfindlichkeit können auf eine Gewebebelastung hinweisen.

05

Hautoberfläche

Feuchtigkeit, Blasen, Abschürfungen, Einrisse oder offene Stellen müssen beschrieben, entlastet und fachlich beurteilt werden.

Bei einer neuen Auffälligkeit

Belastung beenden und fachliche Einschätzung veranlassen

Die betroffene Stelle wird sofort vom Druck entlastet. Zeitpunkt, Körperstelle, Aussehen, Beschwerden und bereits durchgeführte Maßnahmen werden dokumentiert und an eine Pflegefachkraft beziehungsweise die zuständige medizinische Stelle weitergegeben.

Nicht massieren Auffällige oder gerötete Hautstellen werden nicht gerieben, geknetet oder kräftig massiert.

Bei dunkleren Hauttönen kann eine druckbedingte Veränderung weniger deutlich als klassische Rötung sichtbar sein. Temperaturunterschiede, Verhärtungen, Schwellungen, Schmerzen und Veränderungen des Farbtons sind deshalb besonders wichtig.

Typische Fehler

Was gut gemeint ist, aber zusätzlichen Schaden verursachen kann

Fehler entstehen häufig durch starre Routinen, ungeeignete Hilfsmittel oder Maßnahmen, die nicht ausreichend an die aktuelle Situation angepasst werden. Entscheidend ist eine individuelle, überprüfbare und fachlich begründete Vorgehensweise.

Nach einem starren Zeitplan umlagern

Ein festes Schema berücksichtigt weder Hautzustand noch Beweglichkeit, Unterlage, Beschwerden oder individuelle Drucktoleranz.

Intervalle individuell festlegen

Zeitpunkt und Art der Positionsveränderung werden anhand des Risikos, der Hautbeobachtung und der Reaktion der betroffenen Person geplant und angepasst.

Gerötete Haut kräftig massieren

Reiben, Kneten oder Massieren kann bereits belastetes Gewebe zusätzlich schädigen.

Druck sofort vollständig entlasten

Die Stelle wird beobachtet, beschrieben und bei anhaltender oder unklarer Veränderung pflegefachlich beurteilt.

Über das Bettlaken ziehen

Unkontrolliertes Ziehen kann Reibung und Scherkräfte erzeugen und gefährdete Hautbereiche zusätzlich belasten.

Bewegung kontrolliert unterstützen

Geeignete Bewegungstechniken und Hilfsmittel reduzieren unnötige Reibung und ermöglichen eine körpernahe Unterstützung.

Sich allein auf eine Spezialmatratze verlassen

Eine druckverteilende Unterlage verhindert nicht automatisch jede Gewebebelastung und ersetzt keine regelmäßige Beobachtung.

Hilfsmittel in den Gesamtplan einbinden

Unterlage, Eigenbewegung, Positionswechsel, Hautbeobachtung und Beschwerden werden gemeinsam betrachtet.

Ringförmige Hilfsmittel ungeprüft einsetzen

Ringkissen oder improvisierte Unterlagen können Druck auf eine kleine Fläche verlagern und die Gewebebelastung erhöhen.

Geeignete Druckentlastung auswählen

Hilfsmittel werden nach fachlicher Einschätzung ausgewählt, korrekt positioniert und anschließend auf ihre Wirkung kontrolliert.

Merksatz: Eine Maßnahme ist nicht allein deshalb geeignet, weil sie häufig verwendet wird. Entscheidend ist, ob sie bei diesem Menschen tatsächlich Druck reduziert, Bewegung unterstützt und keine neue Belastung erzeugt.

Dokumentation und Weitergabe

Beobachtungen und Maßnahmen nachvollziehbar festhalten

Eine aussagekräftige Dokumentation zeigt, welches Risiko besteht, welche Maßnahmen durchgeführt wurden und wie Haut und Wohlbefinden darauf reagiert haben. Sie ermöglicht es, Veränderungen früh zu erkennen und den Maßnahmenplan begründet anzupassen.

Dokumentationsinhalte

Was konkret festgehalten werden sollte

  • 1 Risiko und aktuelle Veränderungen Beweglichkeit, Gesundheitszustand und neue Einflussfaktoren.
  • 2 Durchgeführte Maßnahmen Position, Mobilisation, Hilfsmittel und Zeitpunkt.
  • 3 Hautbeobachtung Körperstelle, Farbe, Temperatur, Gewebe und Oberfläche.
  • 4 Reaktion und Verträglichkeit Schmerzen, Wohlbefinden, Eigenaktivität und Beschwerden.
  • 5 Rücksprache und Anpassung Weitergabe, fachliche Beurteilung und geänderte Maßnahmen.
Fiktives Praxisbeispiel

Konkret statt allgemein dokumentieren

10:15 Uhr: Frau M. mit Anleitung und Unterstützung von der Rückenlage in eine entlastende 30-Grad-Seitenposition rechts gebracht. Linke Ferse frei positioniert. Haut am Kreuzbein vollständig intakt, keine neue Verfärbung oder Schwellung. Frau M. verneint Schmerzen und beschreibt die Position als angenehm. Positionierungshilfen ohne Falten oder harte Kanten. Erneute Hautkontrolle entsprechend der individuellen Maßnahmenplanung.

Bei einer Auffälligkeit weitergeben

Beobachtung, genaue Körperstelle, Zeitpunkt, Beschwerden, Entlastungsmaßnahme und bisherige Entwicklung werden konkret beschrieben. Vermutungen oder unklare Aussagen werden vermieden.

Das Beispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung. Die tatsächliche Dokumentation richtet sich nach der individuellen Versorgungssituation und den geltenden Vorgaben der Einrichtung beziehungsweise des Pflegedienstes.

Ungeeignete Formulierungen

Aussagen wie „Haut in Ordnung“, „gut gelagert“ oder „keine Besonderheiten“ sind allein zu ungenau. Beobachtbare Merkmale, konkrete Maßnahmen und Reaktionen sind aussagekräftiger.

Fachliche und medizinische Hilfe

Wann Beobachtung allein nicht mehr ausreicht

Eine neue Hautveränderung lässt sich nicht immer sicher durch bloßes Anschauen beurteilen. Bei Unsicherheit, zunehmenden Beschwerden oder einer offenen Stelle ist eine zeitnahe pflegefachliche beziehungsweise medizinische Einschätzung erforderlich.

Sofort reagieren

Druck vollständig entlasten

Eine auffällige Hautstelle darf nicht weiter belastet werden. Das gilt auch dann, wenn noch keine offene Wunde sichtbar ist.

  • neue Rötung oder Verfärbung
  • auffällige Wärme oder Kühle
  • Verhärtung, Schwellung oder weiches Gewebe
  • neue Schmerzen oder Druckempfindlichkeit
Nächster Schritt

Belastung beenden, Hautstelle beobachten, Veränderungen dokumentieren und nicht massieren.

Zeitnah beurteilen

Pflegefachkraft einbeziehen

Eine pflegefachliche Einschätzung ist notwendig, wenn Ursache, Ausmaß oder geeignete Entlastungsmaßnahmen nicht eindeutig sind.

  • Auffälligkeit bleibt nach Entlastung bestehen
  • Beweglichkeit nimmt deutlich ab
  • Positionswechsel verursacht Schmerzen
  • Hilfsmittel passen nicht oder erzeugen Druck
  • die Maßnahmen zeigen keine erkennbare Wirkung
Nächster Schritt

Beobachtungen konkret weitergeben und Risiko, Positionierungsplan sowie Hilfsmittel überprüfen lassen.

Medizinisch abklären

Ärztliche Beurteilung veranlassen

Offene oder deutlich fortschreitende Veränderungen benötigen eine medizinische beziehungsweise wundfachliche Beurteilung.

  • Blase, Einriss oder offene Hautstelle
  • dunkle, violette oder schwarze Verfärbung
  • zunehmende Schwellung oder starke Schmerzen
  • Wundsekret, unangenehmer Geruch oder Eiter
  • Fieber oder deutliche allgemeine Verschlechterung
Nächster Schritt

Stelle weiterhin entlasten und zeitnah die behandelnde Praxis oder zuständige medizinische Stelle kontaktieren.

Bei akuter schwerer Allgemeinverschlechterung

Bei Bewusstseinsstörungen, Kreislaufzusammenbruch, schwerer Atemnot oder einer anderen unmittelbar bedrohlichen Situation wird unabhängig von der Hautveränderung der Notruf 112 verständigt.

Anette Pelzer von Pflegecoaching in Dortmund

Aus der Pflegepraxis

Gute Dekubitusprophylaxe beginnt mit genauer Beobachtung

Im Pflegealltag wird Dekubitusprophylaxe häufig mit regelmäßigem Umlagern gleichgesetzt. Das greift zu kurz. Entscheidend ist zunächst, ob sich ein Mensch selbst bewegen kann, welche Körperstellen tatsächlich belastet sind und wie Haut und Gewebe auf diese Belastung reagieren.

Eine Position kann fachlich korrekt aussehen und trotzdem ungeeignet sein, wenn sie Schmerzen verursacht, die Atmung erschwert oder an anderer Stelle neuen Druck erzeugt. Deshalb muss nach jeder Positionsveränderung kontrolliert werden, ob sie die gewünschte Entlastung erreicht und von der betroffenen Person toleriert wird.

Ebenso wichtig ist die Beteiligung des pflegebedürftigen Menschen. Kleine Eigenbewegungen, Gewichtsverlagerungen und vertraute Bewegungsabläufe sollten nicht vorschnell übernommen werden. Sie unterstützen nicht nur die Druckentlastung, sondern erhalten auch Selbstständigkeit und Körperwahrnehmung.

Hilfsmittel können die Versorgung deutlich verbessern. Sie müssen jedoch passend ausgewählt, korrekt eingesetzt und regelmäßig auf ihre Wirkung kontrolliert werden. Eine Spezialmatratze ersetzt weder Bewegung noch aufmerksame Hautbeobachtung.

„Nicht der Lagerungsplan schützt die Haut, sondern die Maßnahme, die beim einzelnen Menschen tatsächlich Druck reduziert und regelmäßig überprüft wird.“

Anette Pelzer Examinierte Altenpflegerin · Qualitätsmanagerin im Sozialwesen · langjährige Leitungserfahrung in der Pflege

Zum Profil

Die Praxiseinschätzung ersetzt keine individuelle Risikobeurteilung, Pflegeplanung, ärztliche Beurteilung oder praktische Anleitung am pflegebedürftigen Menschen.

Häufig gestellte Fragen

Antworten zur Dekubitusprophylaxe

Die folgenden Antworten geben eine allgemeine Orientierung. Die konkrete Versorgung richtet sich immer nach dem individuellen Risiko, dem Hautzustand und der pflegefachlichen beziehungsweise medizinischen Einschätzung.

Bei einer neuen Hautveränderung gilt: Druck entlasten, die Stelle konkret beschreiben und bei Unsicherheit frühzeitig fachlichen Rat einholen.

Quellen und fachliche Grundlage

Weiterführende Fachinformationen

Der Beitrag wurde auf Grundlage pflegefachlicher Standards, öffentlicher Gesundheitsinformationen und internationaler Empfehlungen zur Prävention von Druckschädigungen erstellt.

Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Zweite Aktualisierung aus dem Jahr 2017 mit Informationen zum Projektverlauf, zur Veröffentlichung und zu den begleitenden Auditinstrumenten.

Quelle öffnen
Bundesministerium für Gesundheit · gesund.bund.de

Druckgeschwür: Ursachen, Risikofaktoren und Behandlung

Allgemeinverständliche Gesundheitsinformation zu Entstehung, gefährdeten Körperstellen, Vorbeugung und medizinischer Behandlung eines Dekubitus.

Quelle öffnen
gesund.bund.de

Pflegewissen für pflegende Angehörige

Orientierung für die häusliche Pflege mit Hinweisen zur Vermeidung von Druckgeschwüren bei eingeschränkter Beweglichkeit.

Quelle öffnen
EPUAP · NPIAP · PPPIA

International Guideline: Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries

Internationale evidenzbasierte Empfehlungen zu Risikoeinschätzung, Hautbeobachtung, Mobilisation, Positionswechseln und druckverteilenden Unterlagen.

Quelle öffnen
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität

Expertenstandard aus dem Jahr 2024 zur pflegerischen Einschätzung, Erhaltung und Förderung einer möglichst intakten Haut.

Quelle öffnen
Redaktionelle Transparenz

Der Text wurde für Pflegekräfte und pflegende Angehörige allgemeinverständlich aufbereitet. Medizinische und pflegefachliche Zusammenhänge wurden zusammengefasst, ohne eine individuelle Beurteilung oder praktische Anleitung zu ersetzen.

Quellen zuletzt geprüft: 26. August 2026

Medizinischer und pflegefachlicher Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Orientierung. Bei einer bestehenden Hautveränderung, einer offenen Wunde, starken Schmerzen oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes ist eine individuelle pflegefachliche beziehungsweise medizinische Beurteilung erforderlich.

Das Wichtigste zusammengefasst

Dekubitusprophylaxe muss zum Menschen passen

Wirksame Vorbeugung beginnt mit der Frage, ob ein Mensch gefährdete Körperbereiche selbstständig entlasten kann. Darauf bauen Bewegungsförderung, individuelle Positionsveränderungen, geeignete Hilfsmittel und regelmäßige Hautbeobachtung auf.

Veränderungen werden nicht nach einem starren Schema behandelt. Entscheidend ist, wie Haut, Gewebe und die pflegebedürftige Person auf eine Maßnahme reagieren.

Eigenbewegung erhalten und gezielt fördern
Druckentlastung individuell planen und kontrollieren
Hautveränderungen frühzeitig fachlich beurteilen lassen

Persönliche Orientierung in Dortmund

Wenn die Pflegesituation zu Hause Fragen aufwirft

Nicht jede Unsicherheit lässt sich mit einem allgemeinen Fachbeitrag klären. Wenn Sie Unterstützung bei der Organisation häuslicher Pflege oder bei der Einordnung des persönlichen Hilfebedarfs benötigen, sprechen wir mit Ihnen über sinnvolle nächste Schritte.

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