Aus der Pflegepraxis
Sicherheit entsteht nicht durch Stillhalten
Nach einem Sturz reagieren Angehörige und manchmal auch Pflegekräfte
verständlicherweise mit großer Sorge. Schnell entsteht der Gedanke,
die betroffene Person dürfe nun nicht mehr alleine aufstehen oder
gehen. Diese Reaktion vermittelt kurzfristig Sicherheit, kann
langfristig aber neue Probleme schaffen.
Wenn einem Menschen immer mehr Bewegung abgenommen wird, verliert er
häufig Kraft, Gleichgewicht und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Gute Sturzprophylaxe bedeutet deshalb nicht, jede Bewegung zu
verhindern. Sie soll Bewegung so sicher wie möglich machen.
Dafür müssen wir genau hinschauen: In welcher Situation entsteht
Unsicherheit? Ist die Gehhilfe erreichbar? Gibt es Schwindel,
Schmerzen oder Sehprobleme? Fühlt sich die Person nachts unter
Zeitdruck? Wurden Möbel verändert oder Medikamente neu eingestellt?
Häufig liegt die Lösung nicht in einer großen Einzelmaßnahme, sondern
in mehreren passenden Veränderungen.
Entscheidend ist, den betroffenen Menschen einzubeziehen. Wer seine
Gewohnheiten, Sorgen und persönlichen Ziele kennt, kann Maßnahmen
planen, die nicht nur auf dem Papier sinnvoll wirken, sondern im
Alltag tatsächlich angenommen werden.
„Sturzprophylaxe darf einem Menschen nicht das Leben abnehmen. Sie
soll ihm ermöglichen, sich trotz vorhandener Risiken möglichst sicher
und selbstbestimmt zu bewegen.“
Anette Pelzer · Examinierte Altenpflegerin · Qualitätsmanagerin im
Sozialwesen · langjährige Leitungserfahrung in der Pflege
Profil von Anette Pelzer
Die fachliche Einschätzung ersetzt keine individuelle Begutachtung,
Pflegeplanung, ärztliche Beurteilung oder praktische Einweisung am
pflegebedürftigen Menschen.